12 November, 2013

Von der Dunkelheit und dem Licht

Was hab ich vor ein paar Tagen noch geschrieben?
Genau, dass es November ist und ich noch gar nichts von dieser Stimmung des Vermissens was spüre. Seit gestern ist das anders.

Am 11. November hat mein Papa meist angerufen oder ich ihn und es gab ein herzliches Narri Narro ;)

Jetzt geht das so nicht mehr und das bedrückt. Gestern war meine Stimmung nicht wirklich gut und heute Morgen dann aufgewacht mit Kopf zu, dem Gefühl, als hätte mir einer mit dem Reibeisen im Hals gerieben und dann noch reingekackt.

Wi der lich!

Meine Nebenhöhlen sind zu, mein Kopf ist bah und ich fühl mich zum kotzen! (was auch am Schleim im Hals liegt)

Ich denke immer wieder an meinen Papa und beim Früh(Spät)stück kamen mir ein paar Tränchen, weil ich an seine Brombeermarmelade gedacht habe und ihn dann in seiner Küche stehen hab sehen.

Hach ... solche Momente sind immer so traurig.

Malen hilft mir da (meist) immer und ich bekomme oft genau solche Bilder, die mir helfen. Wie auch dieses hier:


"Light of Winter" heißt das Bild im Original. Licht des Winters.

Dieses Naturwesen ist in den nördlichen Gefilden beheimatet, wo auch die Aurora Borealis erstrahlt (oh wie gerne möcht ich das mal sehen).

Die bringt das Licht in die Häuser und Herzen und lässt die Dunkelheit nicht zu nahe an einen heran kommen. Gerade in der jetzt dunkleren Jahreszeit, ist dies auch von Nöten.

Ich bin wirklich (mittlerweile) dankbar für meine Gabe. Die Visionen zu bekommen und sie auch umsetzten zu können. Es hilft mir und ich hoffe, dass es auch andere erreicht.

Oftmals tendieren wir dazu, die Dunkelheit fest zu halten, die uns manches Mal überrollt. Wie einen Freund oder eine Kuscheldecke, die dazu da ist, sich wohl zu fühlen und uns abzuschirmen.

Wir klammern uns daran und das Licht hat es dann schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden, den die Wolken sind dick und lasten auf uns.

Wenn es mir mit der Depression so ergeht, dann bekomme ich immer wieder auch von Oben gesagt, lass die Wolken los und lass das Licht wieder rein ... und ich bin dann sehr dankbar, wenn meine beste Freundin genau das schafft ... die Sonne wieder strahlen zu lassen und die Wolkendecke dann wieder zu durchdringen.

Auch wenn die Dunkelheit sich manches Mal "gut" anfühlt, so ist sie das auf Dauer nicht. Denn sie hemmt und unterdrückt das Licht ... das Licht in uns und das Licht welches von außen auf uns und unser Leben scheint und wir einfach nicht sehen (können).

Beim Umgang mit solchen Menschen - wie mir z.B. - ist oftmals Fingerspitzengefühl gefragt, denn sehr selten werden sie an die Glocke hängen wie es wirklich aussieht in ihnen drinne und wie schwer die Dunkelheit auf einem lastet. Dies geschieht meist dadurch, dass viele Menschen einen nicht verstehen, wenn es einem so geht.

Man bekommt dann zu hören: Ja, ich bin auch schon mal depressiv  ... geht ja wieder und Kopf hoch, alles nicht so schlimm. Nimm doch mal ein schönes Bad oder tu dir was Gutes.

Am Anfang hab ich noch genickt ... und dann gedacht: "Oh Gott, ich bin ein totaler Versager! Wieso geht das bei mir nicht so schnell weg... Jetzt stell dich nicht so an, anderen geht es auch schlecht oder noch schlechter!"

Und das sind die harmlosen Gedanken!

Ich bin damit gesegnet, dass ich hier in einer WG mit meiner besten Freundin lebe, die mich so kennt, wie wirklich sonst keiner. Sie blickt mich an und weiß genau wie sie mich packen kann, damit ich wieder aus diesem Loch rauskomme und dafür bin ich jeden Tag unglaublich dankbar.

Nicht jeder Mensch ist damit gesegnet und auch nicht mit empathischen Menschen in seiner Umgebung. Es ist überhaupt nicht leicht für einen Menschen mit seelischen Problemen über eben jene Probleme in seinem Freundes- und Familienkreis zu sprechen. Meistens wird man nämlich nicht verstanden.

Wenn ich schon mal von der Dunkelheit erzählt habe und dass es mir so geht, dass ich oftmals überhaupt keine Freude empfinden kann, obwohl ich weiß, dass ich es sonst würde ... dann bekomme ich oft große Augen zu sehen und höre "Das kann ich nicht nachvollziehen".

Mittlerweile bin ich glaube ich ein Stück vorwärt gekommen mit meinem Weg nach außen hin - aber mir fällt es immer noch schwer zu sagen: "Ich bin krank ... und das und das kann ich nicht mehr oder ich versteh das nicht ... weil ..."

Es fällt mir schwer, denn mir sieht man es in der Regel nicht an und so geht es ganz vielen Menschen. Man versucht die innere Dunkelheit zu übertünchen mit einem "normalen" Verhalten nach außen hin. Bricht das Verhalten, weil die Krankheit eben nun mal da ist ... und nur gut versteckt - verstehen es die Leute um einen herum oftmals nicht oder fassen es falsch auf.

Ich zum Beispiel darf mir oft anhören, dass ich launisch bin ... oder gar mal zickig. Aber ich bin es eigentlich nicht. Und ja - das meine ich auch so.
Zwar kann ich maulig werden, wenn ich hungrig bin ... dann werde ich nämlich zur "Diva" (Riegelwerbung lässt grüßen) aber sonst bin ich es nicht.

Mein Verhalten wird nur so ausgelegt, weil ich mich gekonnt einige Zeit lang mit treiben lasse im Strom der Normalität ... und irgendwann ... dann kann ich es nicht. Meine Stimmung schlägt dann um und das lässt die Anderen dann in dem Glauben.

Aber es fällt mir schwer dann zu sagen, wieso es so ist oder aber den Riegel vor zu schieben.

Das Fehlverhalten liegt auf beiden Seiten und ich frage mich oft, wieso das so ist. Meiner Meinung ist es eine Sache mit der Gesellschaft.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es wichtig ist zu funktionieren. Wenn dies jemand nicht kann ... dann ist das "anders". Andere Menschen werde von jeher komisch angeschaut oder gar gemieden. Ich geh in der Regel mit meiner Krankheit nicht hausieren und die Gesellschaft weiß zu wenig über psychische Erkrankungen - oder auch andere Erkrankungen Bescheid.

Es geht immer nur ums Funktionieren und wer nicht mehr funktionieren kann - aus welchen Gründen auch immer: der wird komisch angesehen.

Ich bin 39 und Frührenterin auf Zeit ... wenn ich das jemandem sage, der guckt mich dumm an und mustert mich. Man sieht doch nix ... sitz nicht im Rollstuhl ... seh nicht behindert aus ... hab noch alle Gliedmaßen und bin halt nur was zu dick.
Mein Cousin meinte letztens: "Ach toll ... möchte ich auch gerne."
Ich hab ihn nur angeschaut und gemeint: "Kannst du gerne haben ... wenn du dann auch meine Krankheit nimmst"
Darauf kam ... natürlich  ... nichts.

Wenn man selber im "Licht steht", dann ist es wohl oft so, dass man die Dunkelheit gar nicht wirklich sehen möchte ... denn man könnte ja auch in die Dunkelheit fallen. Die Angst des Menschen vor dem Unbekannten ...

Ich habe mir vor einiger Zeit gedacht - "Nur wer die Dunkelheit gesehen hat, der weiß wie schön das Licht wirklich ist!"

Und damit beende ich meinen heutigen Eintrag!

Das Licht mit Euch :)

Kommentare:

Tine-Bine hat gesagt…

Fühl dich mal gedrückt!
Und Danke für das Licht. :)

Ashmodiel hat gesagt…

Von mir auch =*

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Zu meinem Leidwesen muss ich gestehen, da ich bisher nicht unter Depressionen lid, aber mein Lebenspartner schon, dass ich mich da eher distanziere und wenig einfühlen kann.
Was ich nicht selbst erlebe, davon habe ich nur wenig Ahnung.
Anfangs sagte ich auch immer nur, reiß dich mal zusammen. Weil ich’s von mir nicht anders kannte. Aber jetzt weiß ich, dass das für die betreffenden Personen wirklich nicht leicht ist.....und ich bin echt froh, dass ich mit so was bisher nicht wirklich zu kämpfen hatte. Klar, unter Medikamenteneinfluss (massig Cortison) wollte ich auch schon mal aus dem Fenster springen. Dachte, das Leben sei nichts mehr wert. Aber hatte mich dann nach einigen Tagen wieder „gefangen“.
Daher kann ich’s mir vielleicht so ein kleines bisschen vorstellen....und ich fand das, im Nachhinein betrachte, schon gruselig genug.
Auf alle Fälle kann ich’s jetzt wohl etwas besser verstehen......und drück dich mal ganz lieb.....Rosi

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athena hat gesagt…

Etwas Ähnliches wollte ich neulich auch mal schreiben... Das Bild ist wunder wunder schön geworden und hat einen ganz besonderen Zauber... <3