17 August, 2014

Wie ist das nun so mit den Depressionen?



Zunächst einfach mal ein paar Fakten.

Unter Depression versteht man eine häufig vorkommende seelische Störung. Tatsächlich ist es wohl laut Statistik so, dass jedes Jahr wohl 14% aller Erwachsenen in Deutschland an Depression erkranken (wobei dies wohl die Dunkelziffer nicht miteinbezieht). Depressionen werden häufig sehr spät oder gar nicht erkannt. Ich hab gehört, dass 60% der an Depressionen leidenden Menschen gar nicht diagnostiziert werden. Dies liegt unter anderem wohl daran, dass viele eben versuchen die Depression gar nicht wahr haben zu wollen, sie abwehren oder sich gar dafür schämen.

Denn - "Sowas hat man doch nicht!"

Es gibt Symptome, die auf eine Depression hindeuten und für die man etwas Achtsamkeit an den Tag legen könnte und vielleicht auch sollte.

Niedergeschlagenheit; Hoffnungslosigkeit; Antriebsverminderung- oder -verlust; ein Gefühl der inneren Leere; Interessenverlust; Freudlosigkeit und das Gefühl verstärkt müde zu sein.

Bei den obigen Symptomen spricht man von den sogenannten Hauptsymptomen.

Dazu können noch andere Symptome kommen, wie z.B.:
verminderte Konzentrationsfähigkeit; Gedächtnisprobleme; Unentschlossenheit; ein gemindertes Selbstvertrauen; gesteigerte oder auch auch verminderter Hunger; Schuldgefühle; Selbstbeschimpfungen / -anklagen; innere Unruhe; das Gefühl gelähmt zu sein und natürlich auch unschöne Gedanken, die sich auch lebensmüde bezeichnen lassen.





Kann man 2 Hauptsymptome bejahen und kommt noch ein weiteres dazu ... dann spricht man bereits von einer Depression.

Ich persönlich hab davon ein paar.

Bei jedem Depressiven unterteilt man in verschiedene Grade einer Depression. Dazu kommen noch verschiedene Formen etc etc etc.

Ich glaub so richtig schlau ist man sich auch noch nicht über Depressionen ... denn ich hab einige Fragezeichen bei der Recherche gefunden.

Rein körperlich gesehen ist das Gleichgewicht der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin bei Depressiven aus der Balance. Hier ist man sich aber nicht einig woher das kommt. Laborttests gibt es dazu keine.

Erblich könnte es teils auch sein, aber so richtig schlau scheint man sich da auch noch nicht zu sein, wegen der genetischen Sache.

Dauer der Depression ist unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Eine Therapie ist aber immer sinnvoll (wenn man auch den richtigen Therapeuten findet).

Ich schätze über die weiteren Statistiken kann man sich auch übers Internet schön schlau machen.

15 – 20 % der Erkrankten begehen übrigens Selbstmord. Dabei lieben die Männer an der Spitze. Die häufigste Todesursache bei unter 45 Jährigen ist übrigens Selbstmord.

Männer neigen übrigens auch eher zu Alkohol. Wohingegen Frauen eher zu Tabletten tendieren, wenn es darum geht die Depression zu unterdrücken. Dies führt dann wiederum zur Abhängigkeit. Dumm gelaufen, hm?

Nicht immer ist es leicht mit einem depressiven Menschen umzugehen - mir wird häufig unterstellt, dass ich launisch bin. Ja, ich unterliege Stimmungsschwankungen ... für mich selbst ist das nicht immer schön und auch nicht leicht. Manches Mal wird es von ganz blöden Dingen ausgelöst, manches Mal weiß ich selber nicht von was.

Ich hab das Glück mit meiner besten Freundin zusammen zu wohnen und sie kennt mich wirklich sehr gut. Ich muss meist gar nichts sagen, sie weiß wann es mir nicht gut geht. Lustigerweise findet sie auch meist die richtigen Worte, um mir zu helfen ... wenn mal wieder alles Grau ist und ich innerlich schreien und weinen könnte.

Ich hab lange gebraucht mir selber einzugestehen, dass ich krank bin. Zwar bin ich gleich zum Arzt als ich merkte, dass mit mir was nicht stimmt ... aber es auch wirklich zu akzeptieren - das fällt mir heute immer mal noch schwer.

Denn "Früher ging das aber" ... Aber so geht es jetzt eben nicht mehr.

Manches was früher leicht von der Hand ging oder überhaupt kein Problem darstellte - ist heute eines. Ich find es schrecklich und es fällt mir auch nicht leicht darüber zu reden ... ob das nun zu Freunden, Verwandten oder gar Fremden ist.

Ich bin sehr vorsichtig wem ich was sage und wem nicht. Am Anfang meiner Erkrankung war es nicht so. Nachdem ich also mein Herz ausgeschüttet hatte - bei ein paar Therapeuten und Psychiatern ... und immer wieder zu hören bekam "Nehmen sie Tabletten" ..."Stellen sie sich nicht so an" ... "Gehen sie arbeiten, das müssen wir anderen auch" ... hab ich dicht gemacht.

Und ich schätze es geht nicht nur mir so. Hat Mensch ein psychisches Problem, dann wird es kritisch. Viele Ärzte sind schlichtweg überfordert damit. "Der spielt doch sicher nur" ... "Jeder hat doch mal nen miesen Tag; Woche; etc." - dies und noch vieles mehr denken und reden die Leute.

Sichtbar wird der Schmerz nur bei Leuten, die sich vielleicht ritzen oder durch Hungern verstümmeln ... wenn man zunimmt, so wie ich - dann ist man disziplinlos, fett und soll doch mal bitte schön was dagegen tun.

Das ist aber nicht leicht. Wäre es so leicht - dann würde ich wieder meine 65kg wiegen.

Depressionen gehen mitunter auch Hand in Hand mit Ängsten - zumindest ist das bei mir so. Früher war ich ein sehr lebenslustiger Mensch und ich stand ganz gerne im Mittelpunkt. Ich war ein Hans Dampf in allen Gassen - bin gerne weg und war lebensfroh.

Heute bekomme ich Herzrasen, Übelkeit, Stiche in der Brust (etc) - wenn ich auf eine Party muss, bei der ich ganz viele Menschen nicht kenne oder kaum kenne. Wenn ich dann hingehe, dann brauch ich danach einige Tage, um mich davon wieder zu erholen.

Früher hatte ich überhaupt kein Problem mit Konzentration - heute fällt es mir schwer. Bei simplen Spielen, die ich nicht kenne, brauch ich länger, bis ich die Anleitung verstehe ... und es ist schrecklich sich so zu fühlen.

Es ist überhaupt ein schreckliches Gefühl, wenn man keine Freude mehr spüren kann. Es ist furchtbar, wenn die Sonne scheint und man selbst blickt nur darauf, wie durch einen grauen Schleier. Man lacht und lächelt ... und innen drinnen ist es aber nicht so.

Das sucht sich niemand freiwillig aus und das möchte auch keiner.

Manches Mal hab ich das Gefühl von anderen, die von meiner Erkrankung wissen, beobachtet zu werden ... und oftmals denke ich, dass sie sich auch fragen "Sieht doch gar nicht so krank aus" ...

Richtig.

Mir sagte mal ein Arzt beim MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen): "Sie sehen gar nicht depressiv aus" ...
Ich fragte ihn darauf hin, wie denn ein Depressiver aussehen würde? Heulend in der Ecke sitzend?
Er sagte dazu nichts.

Aber genau so ist es oft. Die Menschen sehen ein ... und urteilen. Sie wissen doch nicht wie es mir geht.

Wenn jemand wissen möchte, wie es mir geht, wieso fragt er nicht? Ich antworte ...

Ein Depressiver wird wohl eher selten (bis gar nicht) einfach so sagen, wie er sich fühlt oder was ihn verletzt ... wenn Du das wissen willst - dann frag doch!

Geh auf den Menschen zu. Sprich mit ihm. Zeig ihm einfach, dass Du dich kümmerst, du dich interessierst und da bist.

Das ist wichtig ... und wenn es manches Mal bedeuten würde - sich zu jemandem ins Bett zu legen und ihn einfach zu halten - damit er spürt, er ist nicht alleine.

Kommentare:

Iris Klein hat gesagt…

Danke für Deine Worte, Du sprichst mir aus der Seele... :-*

Silberweide hat gesagt…

...puh...meine Geschichte...Danke für Deine Offenheit...
Herzliche Grüße

Sandra hat gesagt…

Ich möchte dich gerade umarmen... Wegen deiner Offenheit, wegen, einfach allem. Mir geht es momentan ganz okay, bis auf das Burnout, aber ich weiß wie sich so etwas anfühlt. Nicht nur die Depression alleine ist schlimm, sondern GANZ besonders die Reaktionen. Man würde gar nicht krank/depressiv aussehen, und wenn man zunimmt ist man disziplinlos. Und Andere müssten schließlich auch mit ihrem Leben klarkommen. Blah. Dumme Sprüche das. Und wenn die dann von Ärzten kommen, umso schlimmer.

Fühl dich von mir unbekannterweise umarmt.

Alles Liebe,
Sandra

Valo hat gesagt…

Hi Tricia, vielen Dank, daß Du Dir die ganze Arbeit gemacht hast, diesen Artikel zu schreiben.
Hast Du eigentlich mal Deinen Vitamin-D-Status erheben lassen?

athena hat gesagt…

Ja, das habe ich auch immer gemacht... bei meiner Oma. Zwei Jahre lang, bis sie sich das Leben genommen hat.
Ansonsten, ja - sind das wohl sehr wahre und offene Worte. Dummer Weise leiden an einer Mehrzahl der Symptome auch immer mal wieder "gesunde" Menschen. Ich denke das macht die Unterscheidung umso schwieriger.